Kantige Charaktere

„Lions lesen Lieblingsbücher“ widmet sich der Kriminal-Literatur

Hamm ­– Nervenkitzel, Krimispannung und bewegende Lebensgeschichten trafen am Freitag in der ausverkauften Mitgliederoase der Volksbank Hamm aufeinander. Ein literarischer Streifzug durch viele Genres bot auch bei der siebten Auflage von „Lions lesen Lieblingsbücher“ einen unterhaltsamen Abend.

„Mit dem Starangebot erfolgreicher Autoren und Schauspieler hat es der Lions Club Hamm-Bad Hamm wieder geschafft, den Leseabend zu einem Event der besonderen Art werden zu lassen“, sagte Burkhard Reher, Niederlassungsleiter der Volksbank Hamm. Schon am ersten Tag waren alle Karten für den Leseabend ausverkauft. Nach der Begrüßung durch die Präsidentin des Lions-Clubs, Gesa Schöttler, führte Tatort-Schauspieler Joe Bausch schmissig durch den Abend. Mit seinen pointierten Small-Talk-Dialogen mit den Autoren kam er beim Publikum bestens an.

Den Anfang machte Tim Pröse. „Wir haben uns zum ersten Mal im Knast in Werl getroffen“, so Bausch nüchtern und erntete dafür viele Lacher. Pröse hatte in der Justizvollzugsanstalt Werl als Journalist eine Reportage über den Gefängnisdirektor gemacht, Bausch selbst war dort als Arzt tätig. Unverwechselbare, kantige Charakterköpfe würden ihn antreiben, so Pröse, und zu solchen zählt auch Maria Adolfs. Erst am Vortag der Lesung sei die Biografie „Zugabe!“ über den Schauspieler erschienen. Mit seiner lebendigen Vortragsweise nahm er die Zuhörer mit nach Saint-Trapez, wo er eine Woche lang im Sommerhaus des Schauspielers zu Gast war.

Dass sie nicht nur eine talentierte Autorin, sondern ebenso eine virtuose Violinistin ist, bewies Natasha Korsakova. Sie stellte in einem Wechsel aus Musik und Lesung ihr Krimi-Debüt „Tödliche Sonate“ vor. Vor der Pause las Joe Bausch aus seinem Buch „Gangsterblues“, in dem er Geschichten von Strafgefangenen verarbeitet. Er plauderte jedoch mehr aus dem Nähkästchen als dass er las.

Um eine echte, tiefe „Männerfreundschaft“ ging es in dem Buch „Dieses bescheuerte Herz“, das Lars Amend nach der Pause vorstellte. Eine bewegende Geschichte mit vielen Pointen, die auch mal schmunzeln ließen

Mit seinem Psychothriller „Der Insasse“ schlug Sebastian Fitzek den Bogen zum Nervenkitzel. „Ich verarbeite Ängste in meinen Büchern, die ich selber habe, und mir so von Seele schreibe“, erläuterte der Autor seinen Hang zu spannendem Lesestoff. Viel zu früh habe er die Fernsehsendung Aktenzeichen XY gesehen und er versuche stets, Abstand zu halten, damit sich die Personen in den im Kern wahren Geschichten nicht wiedererkennen.

Musikalisch umrahmt wurden die Lesungen von Ralf West und Matthias Feder.

Der Erlös des Abends kommt unter anderem dem Hammer Projekt „fit for future“ der Christoph-Metzelder­-Stiftung in Bockum-Hövel zugute. Der Stifter und Fußballer Christoph Metzelder war persönlich anwesend. Im nächsten Jahr soll der Leseabend wiederholt werden.

11.03.2019 – Artikel Westfälischer Anzeiger – von Sarah Hanke
Foto: Wiemer

Zurück zur Übersicht
2019-03-27T14:49:28+00:00